BigFive rund um Freiburg | Kandel – Feldberg – Schauinsland – Belchen – Blauen

Ein Zweitages-Bikepacking-Trip mit ca. 4000hm und 130km

Schon lange wollte ich das mal machen: Mit dem MTB die höchsten Berge rund um Freiburg „in einem Rutsch“ auf Singletrails erkunden. An einem Tag wäre das dann doch etwas seeehr ambitioniert – zumindest für mich. Deshalb ist auch eine Minimal-Campingausrüstung mit dabei: Fertig ist der Bikepacking-Plan.

6Uhr Abfahrt in Freiburg: Die Wettervorhersage verheißt nichts Gutes, aber probieren möchte ich es trotzdem. Die freien Zeitfenster sind ja rar gesät. Schon nach einigen Kilometern, zu Beginn des Glottertals, beginnt der steile Trail zum Kandel hinauf. Anstrengend, aber traumhaft. Mutterseelenallein pedaliere ich – oft mit Untersetzung – den meist schmalen Trail entlang. Immer wieder gibt der Wegverlauf Blicke in die Rheinebene frei. Meist in dichtem Wald und somit eingehüllt in beruhigende Natur ist das ein grandioser Tagesbeginn.

bikepacking im schwarzwald

Erstes Etappenziel: KANDEL erreicht

Nach dem Kandel erwartet dich (ja – du solltest die Strecke auf jeden Fall auch mal fahren) einige Kilometer feinster wurzelgespickter Trail, der die Federung ziemlich arbeiten lässt. Es folgt dann fast durchgängig Forstautobahn bis zum Rinken. Ab hier folge ich der „roten Raute“, dem WESTWEG Pforzheim-Basel. Einige Zwischenanstiege und weiter geht es in flotter Fahrt in die Touristenhochburg Titisee. Kurzer Stopp mit „Speckweckle“ und dann zum höchsten Punkt der Tour: Der Feldberg mit 1493m. Der Anstieg saugt die Beine leer, immerhin haben die heute schon einige Stunden Kurbelei hinter sich. Etwas abseits des offiziellen Westwegs auf der Strecke Richtung Notschrei steuere ich eine offene Schutzhütte mit Feuerstelle an. Perfekte Aussicht, tolle Abendstimmung, plätschern des Brunnens im Hintergrund… So, ja genau so, habe ich mir das vorgestellt. Noch zwei Stunden die Stille und den Wechsel der Himmelsfarben von leichtem rot-blau ins schwarz beobachten und schon krieche ich in das kleine Zelt und versinke innerhalb von 5 Minuten in den Schlaf. 

bikepacking schwarzwald collage

Richtung Schauinsland

Wieder schlechte Wetterprognose und sie ist wieder falsch! Sogar die Sonne findet etliche Löcher in der Wolkendecke und bescheint mich auf dem Weg zum Schauinsland. Dort fahre ich nur kurz zum Fuße des Turms, erhasche einen Blick auf die Alpen im Süden, drehe direkt und mache mich auf den Weg Richtung Belchen. Zwischenstopp am Wiedener Eck Hotel mit einem Cappuccino auf der Sonnenterrasse. Die freundliche Bedienung weißt mich noch auf den hauseigenen Quellwasserbrunnen hin, dort fülle ich die Radflasche und weiter geht es auf dem Westweg bis zur Krinne, nördlich des Belchengipfels. Dort hat man zwei Möglichkeiten: a) über einen steilen Pfad das Rad zum Gipfel herauftragen oder b) über die alte Zufahrtsstraße auf den (für mich) schönsten Gipfel des Schwarzwaldes zu gelangen. Ich wähle Variante b), denn den Pfad bin ich vor nicht allzu langer Zeit gewandert [Einen Bericht findest du hier] . Nach dem Belchengipfel muss das Rad dann ca. 1km geschoben werden. Nicht das der Trail unbefahrbar wäre, aber hier ist MTB fahren klar untersagt, die Strecke ist stark exponiert und Erosionsschäden wären vorprogrammiert.

Zum Blauen

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Ab dem „Hohen Kelch“ geht es weiter auf einem Trail der Extraklasse, teilweise grenzwertig was die Befahrbarkeit, gerade mit Gepäck am Rad, betrifft. Dafür aber wild, rau und unfassbar schön. Einige Kilometer Schotterweg folgen und schon ist der Haldenhof erreicht. Einige Höhenmeter später geht es über traumhafte, in leichtem auf und ab über schmale Wege bis zum finalen Anstieg Richtung Blauen. Hier gilt es nochmals ordentlich Kraft auf die Pedale zu bringen und schon ist das verlassene Berghotel am Hochblauen erreicht.

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Steil bergab

Tiefes Donnergrollen und schwarze Wolken kündigen den schon seit zwei Tagen vorhergesagten Wetterwechsel an. Ich fackle nicht lange und „vernichte“ ca. 1000 hm auf einem nahezu der Falllinie folgenden Pfad in wenigen Minuten. In Schweighof, meinem Zielort angekommen, gönne ich mir Schwarzwälder Kirschtorte bei „Helga“ im Café Neumatt: Info zum Café Neumatt
Draußen bricht ein Unwetter los.
Genau so, ja genau so, habe ich mir das vorgestellt und bestelle noch ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte.

Beachte: Die Route ist „nachgeklickt“. Dies ist  keine Liveaufzeichnung und die Daten dienen nur zur groben Orientierung:


 

2-Meter Regel:

Nur ganz kurz… Langwierige und meist in der Sackgasse endende Beiträge und Diskussionen gibt es unzählige im Internet, diversen Zeitungen und den übrigen Medien.
Die beschriebene Strecke verläuft meist auf Wegen unterhalb von 2m Breite. Das Befahren ist in Baden-Württemberg somit offiziell verboten. Ich bin sicher, dass dieses Gesetz in naher Zukunft abgeschafft wird (BW ist das einzige Bundesland mit solch einer offiziellen Regelung), da es die gleichberechtigte Anerkennung der Interessen aller Waldnutzer und Waldbesucher übergeht. Ich hatte in der Praxis auch noch nie Probleme – es versteht sich von selbst, dass ich Wanderer freundlich Grüße und auf schmalen Passagen Platz mach. Die Erfahrung zeigt: Die meisten Leute, die sich in ihrer Freizeit im Wald aufhalten, sind offene und freundliche Mitmenschen – somit ist ja alles gut! (Ausser das Gesetz…)

Kleiner Exkurs „Bikepacking“:
Was ist denn eigentlich Bikepacking??? Naja – mal wieder so ein Modewort, welches immer stärker aus den Staaten nach Europa „hinüberschwappt“. Es bedeutet eigentlich ganz simpel: Zwei oder mehr Tage, mit Übernachtungsausrüstung (möglichst leicht und kompakt – der Fahrspaß mit dem MTB sollte ja nicht zu sehr beeinträchtigt sein) auf Trails bzw. im Gelände mit dem MTB unterwegs zu sein. Ehrlich gesagt: Das ist voll mein Ding! Die gleichen Regionen und Wege mit dem MTB zu erkunden, die bisher eher „erwandert“ wurden. Nicht, dass ich auch gerne Wanderungen bzw. Trekkingtouren unternehme, aber der Fahrspaß und der Aktionsradius beim Bikepacking ist ein eindeutiger Pluspunkt.
Idealerweise wird das möglichst kompakt und leicht gehaltene Gepäck so am MTB oder FATBIKE befestigt, dass das Fahrverhalten so gering wie möglich beeinflusst wird. Optimal aufgeteilt in eine „Satteltasche“, eine „Rahmentasche“ und eine „Lenkertasche“ (diese gleicht meist einem wasserdichten Rollpacksack mit Befestigungsmöglichkeiten am Lenker). Bikepacking in Extremform ist dann: Diese Taschenkombination an einem Fatbike montiert… Du hast somit ein Set-up, das ein Vordringen in Regionen ermöglicht, welche bisher nur zu Fuß erkundet werden konnten.
Hier ein Beispiel, sogar in Kombination mit Packraft!

Da die oben beschriebene Strecke lediglich eine ausgedehntere MTB-Runde ist (wenn du richtig fit bist, kannst du die Tour ohne Gepäck auch in einem Tag fahren…), war ich mit einem Standard-Set-up unterwegs. Dies sah so aus:

bike_setup

  • 15 Jahre altes Hardtail, die Bremsen und Gabel habe ich aus Sicherheitsgründen erneuert. Normalerweise fahre ich ein Enduro-MTB – dies ist auf langen Strecken aber eine Quälerei.
  • Leichter und kompakter Gepäckträger.
  • Kleine Taschen (eigentlich für einen Vorderradgepäckträger).
  • Die Taschen hoch montiert um einer Kollision mit Felsen und Geäst vorzubeugen.
  • Gewicht des Gepäcks, inklusive Essen, Zelt, Schlafsack, Isomatte, Kleidung, Werkzeug, Verbandszeug usw.: ca. 14kg.
  • Die Taschen wurden zusätzlich mit Spanngurten gesichert, um ein Schwingen/Abreißen in grobem Gelände bzw. bei hohen Geschwindigkeiten zu verhindern.

Ich muss allerdings zugeben:  Mal so was Richtiges… Z.B. mit einem Fatbike entlang des Kungsleden in Skandinavien, oder über das isländische Hochland, oder die Lagunenroute in Südamerika, oder… DAS hätte schon seinen Reiz. Ich muss jetzt gleich mal bei Steffi und dem Nachwuchs einen ordentlichen Zeit- und Budgetrahmen beantragen… 😉

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