Mit Schneeschuhen, Zelt und Rucksack im Hochschwarzwald

Oder: zwei Tage RICHTIG Winter…

Zwischen bunten Helmen und dicken Powderski sitze ich im Bus Nr.7300. Haltestelle ‚Grafenmatt‘ ist das Ziel. Der perfekt organisierte Nahverkehr rund um den Feldberg öffnet die Schleusen und spuckt zahlreiche Wintersportler und einen Schneeschuhgänger mit Tourenrucksack aus.

Den meisten steht ein entspannter Tag auf der Piste bevor. Ich habe folgenden Plan: Mit Übernachtungsausrüstung im Rucksack und statt Lift Muskelkraft für die Aufstiege. Die Aussicht auf zwei Tage abgeschiedene Winterlandschaft und mal wieder so richtig in die Natur eintauchen, versetzen mich in Hochstimmung. Wie schon so oft ist dies der Grund die Komfortzone zu verlassen. Also: Los geht’s!

[ Alpen im Süden ]

Die Pisten querend geht es auf einem breiten Winterwanderweg in den Wald, leicht bergauf, der ideale Einstieg, um den eigenen Rhythmus beim Gehen zu finden. Nach 20min erreiche ich die erste Lichtung- und was für eine! In südlicher Richtung liegt das Herzogenhorn mit seiner markanten Wächte und Steilflanke nach Osten, dahinter erscheinen die Alpen zum Greifen nahe. So, ja genau so, muss das auf einer Wintertour sein!

Zum Herzogenhorn

[ Das Herzogenhorn ]

[ Frische Spuren legen ]

Auf dem Weg zum Herzogenhorn passiere ich die letzte Einkehrmöglichkeit auf der heutigen Etappe: Das Leistungszentrum Herzogenhorn. Doch mich ruft der Gipfel mit seiner Aussicht. Somit lasse ich das Leistungszentrum mit Sonnenterasse links liegen. Bei gutem Wetter bietet der zweithöchste Berg im Schwarzwald eine grandiose Aussicht.

[ Meist gut beschildert ]

[ Bilderbuch-Landschaft ]

[ Pause ]

Einige Tourenskifahrer und Schneeschuhgänger auf Tagesausflug ziehen ebenso ihre Spuren durch den Schnee. Oben mache ich Rast und lasse die Aussicht auf mich wirken. Es folgen 4km unverspurte Route, zumeist geht es durch richtig einsame Schwarzwaldlandschaft bergab.

[ Pause zwei 🙂 ]

[ Kaffee ]

Ein kurzer Zivilisationsstreifen unterbricht den Weg. Die Strasse von Präg nach Bernau gilt es zu queren und dann geht es hoch. Die Sonne steht schon recht tief und ich komme auf den letzten 2km mit 300hm Aufstieg noch mal so richtig ins Schwitzen. Der Pfad schlängelt sich kurz vor dem Gipfel des Bößlings durch dichten Tannenwald und plötzlich ist man oben. Wieder ein sagenhafter Aussichtspunkt und mein heutiges Tagesziel.

[ Auf dem Weg zum Blößling  ]

Hinter einer kleinen Schutzhütte hopse ich mit den Schneeschuhen zwei Quadratmeter umher. So wird der tiefe Schnee schön komprimiert und nach einer halben Stunde ist er so weit verfestigt, dass man sich wunderbar eine Schlafstelle einrichten kann.

[ Schlafplatz richten ]

In der Zwischenzeit schmelze ich Schnee auf dem Gaskocher und mache Tee. Dazu: Untergehende Sonne hinter dem Belchengipfel im Westen, glühende Alpen im Süden und die ersten funkelnden Lichter im Bernauer Tal einige hundert Meter unter mir. Bevor der violette Abendhimmel schwarz wird und nur noch die Sterne die Szenerie beleuchten baue ich ein kleines Zelt auf und richte Isomatte und Schlafsack. Die nächste Portion Schnee wird auf dem Kocher zu Wasser und eine Tüte mit 800kcal gefriergetrockneter Expeditionsnahrung wird zum Abendessen. Klar, ein Schwarzwälder Vesper wäre eigentlich adäquater aber um den Rucksack möglichst leicht zu halten, muss so eine Tüte heute reichen.

[ Blick Richtung Feldberg ]

[ Abendhimmel ]

[ Iglu-Ersatz]

[ Schnee schmelzen ]

[ 800 Kcal aus der Tüte ]

Noch einige Male summt der Kocher um Tee zu wärmen (mit etwas Rum verfeinert…) und einige Stunden später, im Licht des Mondes, fülle ich einen Liter warmes Wasser in eine Aluminiumflasche – fertig ist die Outdoorwärmflasche. Im Schlafsack an den Füßen positioniert verstrahlt sie sofort mollige Wärme in der Daunenhülle und ich versinke in einen tiefen Schlaf. Da die Temperaturen einiges unter Null anzeigen, hat diese Art der Wasseraufbewahrung auch den Vorteil, dass die ganze Nacht über Trinkwasser in annehmbarer Temperatur zur Verfügung steht und morgens gleich Wasser zum Kaffeekochen verfügbar ist.

[ Morgens der Blick aus dem Zelt…Alpenpanorama ]

Kaffee, Müsli und Alpenpanorama – Ein guter Start in den Tag!

[ Frühstück ]

Schnell wird es warm. Die schon kräftige Sonne im März hat auf den südlich ausgerichteten Hängen unter 1000m schon für die ersten kahlen Stellen gesorgt. Im Tal von Bernau sind die ersten Düfte des Frühlings wahrzunehmen. Der beschauliche Ort wirkt morgens um 8:30 Uhr noch völlig ausgestorben und ich nehme direkt den Aufstieg in Richtung Krunkelbachhütte in Angriff.

[ Im Tal lichtet sich die Schneedecke ]

[ Aufstieg zur Krunkelbachhütte ]

Auf schmalem Pfad, oft ohne Schneeschuhe, stapfe ich langsam aber zielstrebig nach oben. Erst über offenes Weidegelände, dann durch lichten Buchenwald und weiter oben durch dichten Tannenwald. Die Krunkelbachhütte lädt zu einem ausgiebigen zweiten Frühstück ein.

[ Krunkelbachhütte ]

[ Wieder auf dem Weg zum Herzogenhorn und Feldberg ]

Die Strecke verläuft weiter, teils ziemlich steil, in Richtung Herzogenhorn. Die am Vortag von weitem zu sehende Steilflanke ragt zwischendurch bedrohlich genau neben dem Weg fast senkrecht in den Himmel. Es sind noch Spuren von Lawinenabgängen zu sehen. Zügig passiere ich diese Passage. Am Gipfel treffe ich auf die ersten Wanderer des Tages und wir genießen bei einer ausgiebigen Rast die schöne winterliche Gipfelstimmung.
Ab hier laufe ich auf dem von gestern bekannten Weg zurück in das Pistengetümmel am Grafenmatt-Lift. Bus und Bahn bringen mich in ca. 1h wieder zurück nach Freiburg. Hier unten ist schon richtiger Frühling und am Hauptbahnhof pulsiert das normale geschäftliche Treiben. Es kommt mir irgendwie skurril vor:Grandios wie eine so kurze Outdoor-Tour den Blickwinkel verändert und sich Körper und Seele wohlig massiert fühlen.

Tipps:
Hinweis: Die Tour ist bei guten Bedingungen recht einfach zu gehen. Aber: Bei schlechtem Wetter, wenig
Sicht, viel Neuschnee oder sehr tiefen Temperaturen sollte sie nur mit viel Erfahrung begangen werden. Es
kommt immer wieder zu aufwendigen Einsätzen der Bergwacht mitunter leider auch zu tödlichen Unfällen.
Die Orientierung ist auch für Ortskundige bei starkem Schneefall oder dichtem Nebel teils extrem schwierig.
Ein GPS und ein Mobiltelefon (beide mit vollen Akkus) sind wichtige Sicherheitsbackups. Beachte aber, dass
nicht überall ein Mobilnetz zur Verfügung steht.
Fazit: Bei guten Bedingungen: Viel Spaß – es lohnt sich! Bei schlechten Bedingungen: Genieße die urigen
Hütten im Schwarzwald oder die Skipisten und warte, bis die Umstände optimal für eine Wintertour mit
Übernachtung draußen sind.
Anreise:
Bus & Bahn:
Mit dem Zug nach Titisee oder Bärental, von dort mit Bus Linie 9007 sowie der Linie 7300 zum Feldberg.
Auto:
• Von Westen: Von der Autobahnausfahrt Freiburg-Mitte auf der A 5 durchquert man Freiburg auf der
B 31 und ab Titisee über die B 317 bis zum Feldberg.
• Von Osten: Von der Autobahnausfahrt Geisingen oder Bad Dürrheim auf der A 81 folgt man der B 31
und B 317.
• Von Süden: Von Basel/Lörrach über die B317

Karte:

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