• Gröna Bandet Etappe 1

    Grövelsjön nach Storlien

Gröna Bandet Etappe 1

Grövelsjön nach Storlien

Beim Projekt UPnorth und während meiner Tour in den Highlands hat sich eine Erkenntnis eingebrannt: Je abgeschiedener und abgelegener ich unterwegs bin, desto intensiver wird das Naturerlebnis. Mein neues Projekt verbindet eine skandinavische Langstreckentour mit einem Maximum an Wildnis.
Die Wahl viel auf das „Gröna Bandet“ (Das Grüne Band): Eine Durchquerung des Skandinavischen Gebirges von Grövelsjön im Süden bis zum Dreiländereck Treriksröset im Norden. Je nach Routenwahl summiert sich die Strecke auf 1.300 bis 1.600 Kilometer Trekking durch die Skanden. Es gibt keine starr vorgegebene Route, was den Reiz der eigenen Wegfindung erhöht.

Packen vor dem Start

Rudi (Foto: Maxi)

Erste Pause an einer Schutzhütte

Erstes Lager. Glatte 10/10

Typisch im Rogengebiet. Felsenwege.

Skandinavische Stimmung

Das Konzept: Abenteuer zwischen dem Alltag

Aufgrund meiner aktuellen Lebensphase mit Familie, Beruf und weiteren Verpflichtungen verfolge ich das Prinzip „Abenteuer zwischen dem Alltag“. Ich absolviere die Gesamtdistanz in einzelnen Etappen statt am Stück. Die Routenwahl orientiert sich nicht an der kürzesten Strecke oder der schnellsten Zeit, sondern an der Schönheit der Landstriche und Abgeschiedenheit. Die meisten Kilometer werde ich solo zurücklegen, ausgewählte Abschnitte jedoch gemeinsam mit Wegbegleitern.

Den Auftakt über 10 Nächte durfte ich zusammen mit unserem 15-jährigen Sohn Maxi erleben. Gemeinsam mit Freunden starteten wir in Grövelsjön und waren den ersten Tag zu fünft unterwegs. Danach setzten Maxi und ich die Tour zu zweit fort. Unser Weg führte durch das Naturschutzgebiet Rogen, weiter vorbei am Helags – Schwedens südlichstem Gletscher – und durch das schroffe Sylarna-Gebirge bis nach Storlien. Wir folgten dabei weitgehend der Route des Südlichen Kungsleden.

Skandinavische Farben (Foto: Maxi)

Rogen

Immer auf- und ab

Lagerleben

Ein Lieblingsplatz

Feierabend

Traumlagerplätze

Regen in der Nähe

Wir liefen daran vorbei

Wetterglück, Logistik und Verpflegung

Die Wetterprognose Ende August war denkbar ungünstig: Dauerregen, kräftiger Wind und im Hochland bereits erster Schneefall. Mit diversen ausgearbeiteten Exit-Optionen traten wir die Tour an – und hatten enormes Glück. Der Regen fiel überwiegend nachts, während tagsüber stürmische Abschnitte mit spektakulären Lichtstimmungen wechselten. Das Fjäll-Wetter erwies sich als extrem kleinräumig: Oft sahen wir dunkle Fronten in den Nachbartälern, wähnten uns selbst jedoch im Trockenen.

In puncto Nahrung planten wir zwei autarke 5-Tages-Blöcke für insgesamt knapp 200 Kilometer. Nach ca. der Hälfte der Distanz versorgten wir uns im Ort Funäsdalen neu. Diese Aufteilung begrenzte das Rucksackgewicht bei voller Beladung auf 13 kg bei Maxi und 23 kg bei mir.

Zwar bieten die Hütten des Schwedischen Tourismusvereins (STF) wie Helags oder Sylarna alpinen Komfort inklusive Gastronomie, doch nutzten wir diesen Service nur ein einziges Mal am Helags. Wenn man tagelang in der Stille der Wildnis unterwegs ist, wirkt ein beheizter, belebter Gastraum eher wie ein Fremdkörper in dieser rauen Umgebung.

Durchziehen (wir hatten hier 27 km am Tag)

Frühstück

Skandinavien pur

Wieder mal ein top Lagerplatz

1000 Kalorien zum Frühstück

Raue Bergwelt

Wurden ordentlich gefordert

WAS ein Weg!

Morgenstimmung

Geländeanforderungen und Sicherheitsmanagement

Während die Wegfindung meist unproblematisch war, forderte uns das Naturschutzgebiet Rogen technisch. Wälder, durchsetzt mit großen Block-Steinfeldern und sumpfigen Passagen, drückten das Stundentempo drastisch. Das Risiko für Bänderrisse oder Knöchelverletzungen ist hier hoch.
Um im Notfall abseits des Mobilfunknetzes eine Rettung einzuleiten, führten wir ein Garmin inReach Satelliten-Kommunikationsgerät mit. Als Vater wiegt die Verantwortung in solch abgelegenen Regionen schwer. Auch wenn Maxi mit 15 Jahren körperlich fit und mental voll auf „Durchziehen“ eingestellt war, stellt ein medizinischer Notfall in der Wildnis stets eine ernste Herausforderung dar.

Schon erwähnt? Die Lagerplätze waren gut :-)

Ausrüstung auf dem Prüfstand

Schuhe: Hanwag Banks

Auf steinigem Pfad und im feuchten Fjäll ist das Schuhwerk entscheidend. Obwohl der Trend zu ultraleichten Trailrunnern, oft ohne Membran geht, bevorzuge ich für Rucksackgewichte über 20 kg und rauere Bedingungen stabile Wanderschuhe. Wir entschieden uns unabhängig voneinander für den Hanwag Banks GTX. Ich nutzte die StraightFit Extra (SF)-Variante für breitere Vorfüße. Trotz der recht weicheren Kategorie-AB-Sohle erlebten wir absolute Schmerzfreiheit und dauerhaft trockene Füße. Für klassische Wanderschuhe ist das Gewicht der der Banks auch recht gering. Eine uneingeschränkte Empfehlung! Ich habe schon unzählige Touren hinter mir. Aber noch nie mit so bequemen Schuhen. Einzig die Optik gefällt mir nicht besonders. Ein moderneres Design fände ich schön.

Gute Wanderschuhe gibt es hier*

Zelt: Nordisk 2-Personen Kuppelzelt (Prototyp)

Der Klassiker für solche Touren wäre das sturmfeste Hilleberg Allak 2 gewesen, das jedoch mit über 3 kg recht schwer ist. Wir testeten stattdessen ein Vorserienmodell von Nordisk: Ein Kuppelzelt mit zwei Eingängen, zwei Apsiden und einem Gesamtgewicht von ca. 1.600 g. Das Zelt überzeugte durch ein hervorragendes Raum-Gewichts-Verhältnis und hohe Standfestigkeit im Wind. Hoffen wir mal das es ein Serienprodukt wird.

Link zum Hersteller

Kocher: Primus Lite Ultra XL (1,2 Liter)

Das Systemkocher-Set erwies sich als extrem brennstoffeffizient. Eine 230-g-Gaskartusche reichte für uns zwei Personen volle 6 Tage aus (warme Mahlzeiten morgens und abends, Tee und Suppe mittags). Die Windanfälligkeit ist minimal. Einziger Kritikpunkt: Der mitgelieferte Plastik-Standfuß für die Kartusche ist fragil im Handling. Da brauche ich eine Alternative. Prinzipiell mag ich aber Systeme bei denen Kocher und Topf verriegelt sind. Auch die Windschutz- und Lamellen zur Erhöhung der Effizienz sind bei diesem System super gelöst. Die getestete große Variante ist perfekt für 2 Personen. 230g Kartusche, Kocher usw. passt alles in den Topf und somit für den Transport perfekt verpackt.

Den Kocher gibt es hier*

Die nächste Etappe wartet

Der gelungene Auftakt hat das Fundament für das Gesamtprojekt gelegt. Die nächste Etappe werde ich solo in Angriff nehmen: Ein wegloser, extrem abgelegener Abschnitt mit anspruchsvollen Flussquerungen, die teils nur schwimmend zu bewältigen sind.

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